Septimus

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Zu Beginn des 24. Jahrhunderts hatten die Menschen mit Hilfe der von den Fordianern bereitgestellten Hyperraumantrieben begonnen, die größere Galaxis zu erkunden. Mutige Entdecker erkundeten die erst kürzlich erschlossene Epsilon-Sphäre des Hyperraums, die zwar ein noch schnelleres Vorankommen im All ermöglichte, jedoch noch weitgehend unerschlossen war. Und gefährlich.

Nichtsdestotrotz trieb es die Menschen in die Weiten des Universums. Handelsaußenposten mit anderen Völkern der Milchstraße wurden errichtet und die ersten, interstellaren Kolonien der Menschheit entstanden, oft ganze Seitenarme vom Sol-System entfernt.

Aber eine Handvoll Planeten war der frisch gegründeten Terranischen Allianz nicht genug. Die sogenannte Zweite Expansion begann: weitere Schiffe wurden ausgesandt, neue Hypertunnel erkundet, bisher unbekannte Welten erforscht.

Eines dieser Forschungsschiffe war die Kyoto unter dem Kommando von Captain Elinor Markovich, einer Freelancer-Hypernautin, die auf eigene Faust neue Handelswege in der Epsilon-Sphäre erkundete, um ihre Navigationsdaten anschließend an die Terranische Allianz zu verkaufen.

Am 7. Juli 2307 TZ, nachdem sie erfolglos sechs Hypertunnel erkundet hatte, führte sie der siebte Tunnel in das System einer G2-Sonne, mitten im Gandara-Cluster. Markovich scannte das System – und traute ihren Augen nicht, als sie im Orbit eines Gasriesen einen planetengroßen Mond entdeckte, der in den Sternkarten nicht verzeichnet war. Es war eine Welt der Gaia-Klasse, die an die Frühzeit der Erde erinnerte. Sie wies einen einzigen Superkontinent auf – und vor allem keinerlei Anzeichen von Zivilisation.

Markovich taufte den Planeten Septimus – „der Siebente“ – und trat augenblicklich den Rückflug an, um den Claim für den Planeten abzustecken.

Nur eine Woche später trafen die ersten Erkundungsschiffe von der Erde ein, um den Planeten einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Hierbei zeigte sich, dass Septimus keineswegs unbewohnt war.

In den weit ausgedehnten Regenwäldern des Kontinents Theta – von Captain Markovich aufgrund seiner Form nach dem griechischen Buchstaben benannt – traf man auf eine Lebensform, die die Forscher zunächst für eine Pflanzenart hielten. Erst bei näherer Untersuchung stellte man fest, dass die Onri, wie sie sich nannten, eine intelligente Spezies mit einer faszinierenden Kultur waren.

Die Onri erinnern an einen sechszackigen, mit Moos bewachsenen Seestern. Sie erreichen eine Länge von anderthalb Metern und können ihre Gliedmaßen gleichermaßen als Arme wie als Beine benutzen. Sie sehen durch eine Art Echolot und kommunizieren über eine kreisförmige Membran in der Mitte des Körpers. Winzige, fadengleiche Tentakel an den Spitzen ihrer Arme dienen ihnen als sehr feinfühlige Manipulatoren.

Sie leben in Symbiose mit den kilometerhohen Bäumen des Regenwaldes und ernähren sich von dem Saft der Bäume. Gleichzeitig schützen sie die Bäume vor den sogenannten Drillwürmern und Arborivoren – und helfen außerdem, die Samen der Bäume über den Kontinent zu verbreiten.

Die Onri sind extrem langlebig – Biologen schätzen ihre durchschnittliche Lebenserwartung auf mehrere tausend Standardjahre – und verfügen über einen sehr langsamen Metabolismus. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie an die Baumstämme geklammert, so dass man sie leicht für eine Art Baumpilz halten könnte.

Doch zur Paarung, zum Kampf oder der sogenannten „Saatwanderung“, bei der sie die Baumsamen verteilen, können sie aus ihrer Starre erwachen und sich mit beeindruckender Geschwindigkeit von Baum zu Baum schwingen oder auf allen sechs Armen durch das Unterholz laufen. Als Waffe dienen ihnen Reihen ausfahrbarer Stacheln auf der Innenseite ihrer Arme, mit denen sie schreckliche Wunden reißen können.

Das Verhältnis zwischen den terranischen Kolonisten und den Onri war zu Beginn freundlich. Die beiden Spezies begegneten einander mit Neugier, aber in Frieden.

Währenddessen entwickelte sich der Planet schnell zu einer der bevölkerungsstärksten Kolonien der Erde. Innerhalb eines Jahres lebten zweieinhalb Millionen Siedler auf Septimus. Nur ein Jahr später waren es bereits zweihundert Millionen, von denen ein Großteil in der Hauptstadt Primavera City lebte, die an der Ostküste von Theta errichtet wurde.

Fünfundfünfzig Jahre später war Septimus die berühmteste Koloniewelt der Terranischen Allianz – von allen Planeten der Allianz kam sie am ehesten einer zweiten Erde nahe. Dabei vermieden die Kolonisten gern gemachte Fehler vergangener Kolonieprojekte, wie Raubbau oder Zerstörung der einheimischen Flora und Fauna zugunsten der menschlichen Siedler. Stattdessen legte man auf Septimus Wert auf nachhaltige und umweltfreundliche Technologien; der Planet galt innerhalb und außerhalb der Allianz als jungfräuliches Eden, mit Universitäten von exzellentem Ruf, modernsten Forschungszentren und kosmopolitischen, aufgeschlossenen Einwohnern.

Dann kamen die Jozianer.

Obwohl Septimus nicht innerhalb des sogenannten Schwarzen Vektors der jozianischen Armada lag, und sich der Heimatrat des Planeten dafür aussprach, nicht in die Kampfhandlungen einzugreifen, wurde auch diese friedliche Welt Opfer des Vormarsches der Aggressoren.

Die Jozianer hatten einen Interforce-Kreuzer gescannt, der den Planeten für Reparaturen in dessen Orbitalstation angesteuert hatte. Drei jozianische Schiffe der Weltenfresser-Klasse folgten dem Kreuzer und schossen ihn aus dem All. Die Trümmer des Schiffes stürzten auf Septimus’ Oberfläche und vernichteten dabei nicht nur neunzig Prozent von Primavera City, sondern setzten auch große Teile der Regenwälder von Theta in Brand – ein Ereignis, das als „Feuerregen“ in die Geschichte des Planeten einging.

Auch wenn die Kolonisten die Brände schnell unter Kontrolle bekamen, starben Millionen von Onri in den Flammen, zusammen mit den Bäumen, die ihre Heimat und der Mittelpunkt ihres Lebens gewesen waren. Die Überlebenden gaben den Menschen die Schuld dafür; eine bittere Feindschaft entbrannte, die noch bis heute andauert. Die Wälder von Septimus gelten seitdem als lebensgefährlich für Terraner.

Nach dem Krieg hat Septimus nie wieder zu seiner alten Größe zurückgefunden. Zusammen mit Primavera City gingen viele wichtige Industriezweige verloren, der Planet wurde durch jozianische Störsender im All für einige Jahre vom Rest des Universums isoliert. Heute gibt es nur eine Handvoll größerer Städte auf Septimus, der Rest der Bevölkerung lebt in Dörfern und betreibt Ackerbau, Viehwirtschaft und Fischerei.

Ob es je wieder Frieden zwischen Menschen und Onri geben wird, ist fraglich.

Quellen

  1. Rick Future Website